Väter werden in der Schwangerschaft und bei der Geburt seit den 1960er Jahren immer mehr einbezogen.
Trotzdem beschränkt sich ihr aktiver Part sehr häufig rein auf das Durchtrennen der Nabelschnur. Und nach der Geburt sind sie eben die Väter und sollen ihre Partnerinnen so gut es geht im Wochenbett unterstützen und bei der Care-Arbeit - es ist ja schließlich auch ihr Nachwuchs.
Auch Männer sind Opfer von Gewalt im Kreißsaal
Dass Männer als anwesende Partner bei Geburten oft Traumatisches miterleben und eine absolut passive Rolle inne haben, sich also oft nicht nur hilflos, sondern auch nutzlos bei der Geburt fühlen, das macht etwas mit ihnen. Auch, wenn sie von GeburtshelferInnen angeleitet werden, zum Beispiel ein Bein der gebärenden Partnerin festzuhalten, dies dann aber dazu dient, den Übergriff, den die Gebärende erlebt, durchzuführen, fühlen sie sich als Täter. Auch das macht etwas mit ihnen.
Postnatale Depression betrifft auch Männer direkt
Wenn die Partnerin nach der Geburt in eine postnatale) Depression rutscht, die also über die normalen hormonell bedingten Stimmungsschwankungen hinaus geht, sind ihre Partner überproportional ebenfalls von einer postnatale Depression betroffen.
Die Erforschung und Diskussion um perinatale Depressionen hat sich bislang vorwiegend auf die Mütter fokussiert. Zwar gibt es Studien, die eine Assoziation zwischen mütterlichen und väterlichen Stimmungsstörungen belegen, doch es gibt keine aktuellen systematischen Übersichtsarbeiten zur Kennzahl der elterlichen Zweierbeziehung.
Neue Forschung
Die Autoren einer Meta-Analyse haben medizinische Datenbanken betreffend den Zeitraum von 1990 bis 2021 nach Beobachtungsstudien zur Prävalenz perinataler Depressionen und Angststörungen in der elterlichen Zweierbeziehung (Dyade) durchsucht. Die 23 Studien mit ca. 30.000 Elternpaaren, die so in die Analyse einbezogen waren, ergab, dass in der Zeit 3 – 12 Monate post partum) in mehr als 3% aller Fälle Mutter und Vater unter Depressionen leiden (3,18%).
Es wird also Zeit, die Väter und Partner:innen hinsichtlich postnataler Depression3) ebenfalls zu beobachten und Hilfsangebote niederschwellig anzubieten.
Die Versorgungslücke
Postnatale/postpartale Depressionen werden allzu häufig schon bei den Müttern nicht erkannt. Sie sollten unbedingt behandelt werden, damit sie sich nicht als chronische4) Depression manifestieren.
Wie zeigt sich eine postnatale Depression bei Männern?
Männer zeigen ihre Symptome bei einer Depression anders als Frauen: Vermehrt plötzliches aggressives Verhalten und oft auch Substanzmissbrauch, sehr häufig vermehrter Alkoholmissbrauch.
Wir müssen also überlegen, an welchen Orten und Zeitpunkten die Väter hinsichtlich einer postnatale Depression befragt und getestet werden können, um auch bei ihnen eine Behandlung zu ermöglichen und eine Chronifizierung) zu verhindern.
Mögliche Ressourcen für das Screening beider Eltern
Denkbar wären hier zum Beispiel die Kinderarzt-Besuche. Die Kinderärzte müssten hierfür gesondert geschult werden.
Vielleicht brauchen wir aber auch Eltern-Screenings zu bestimmten Terminen der postnatalen Zeit innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt.
Es ist wichtig, die Depressionen frühzeitig zu erkennen, um niederschwellig Hilfe anzubieten. Die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen ist gerade bei psychischen Krankheiten bei Männern sehr hoch.
Da sich Depressionen bei Männern in überfallartigen Aggressionen zeigen können, ist ein Screening) der Väter ein Faktor der Gesundheit, der die ganze Familie betrifft.
Die Risikogruppe
Besonders gefährdet scheinen nach der Studie die Eltern zu sein, die sich intensiven Fruchtbarkeitsbehandlungen unterzogen hatten, wie z.B. IVF) oder ICSY).
Hier muss noch ergründet werden, warum das so ist, ob bereits die Frustration im Vorfeld der Schwangerschaft eine Rolle spielt und die Belastung, die eine solche Behandlung mit sich bringt. Möglich ist aber auch ein Zusammenhang zwischen den engmaschigen Kontrollen und Überwachungen der Schwangerschaft, die durchaus als Interventionen zu betrachten sind, und der oft geplanten Geburt per elektivem) Kaiserschnitt.
Prävention einer postnatalen Depression
Je besser die Geburt verläuft, desto geringer ist das Risiko an einer postnatalen bzw. postpartalen Depression zu erkranken. Dies gilt für beide Eltern.
In allen Fällen gilt: Bereitet euch gut auf die Geburt vor.
Je mehr ihr wisst, desto weniger Angst habt ihr, desto besser sind eure Entscheidungen, desto gesünder sind Mutter und Kind nach der Geburt - und auch die Väter.
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Begriffserklärung
1) postnatal: nach der Geburt, gleichbedeutdend zu postpartal (partum; Latein = Geburt)
2) post partum = nach der Geburt
3) Depression: krankhafte Niedergeschlagenheit
4) chronisch: dauernd anhaltend
5) Chronifizierung: Übergang eines akuten (schmerzhaften) Zustands oder einer Erkrankung in eine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung
6) Screening: eine viele Aspekte umfassende Untersuchung gemeint, die an einem einzigen Menschen stattfindet
7) IVF: In-Vitro-Fertilisation = Befruchtung im Reagenzglas
8) ICSI: (intracytoplasmatische Spermieninjektion) ist die am häufigsten angewandte Methode zur künstlichen Befruchtung
9) elektiver Kaiserschnitt ist ein Kaiserschnitt ohne Wehentätigkeit; umgangssprachlich auch Wunschkaiserschnitt genannt, Ein Kaiserschnitt nach Terminplan
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